Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)
Traumatherapie bei PTBS und komplexer PTBS
Traumatische Erfahrungen können unterschiedliche Folgen haben. Zu den bekanntesten Traumafolgestörungen gehören die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS).
Auf dieser Seite erfahren Sie, wodurch sich beide Diagnosen unterscheiden, wie sie sich bemerkbar machen können und wann eine traumatherapeutische Abklärung sinnvoll sein kann.
Was sind PTBS und kPTBS?
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) gehören zu den Traumafolgestörungen.
Die PTBS ist sowohl in der ICD-10 als auch in der ICD-11 beschrieben. Die komplexe PTBS wurde mit der ICD-11 als eigenständige Diagnose aufgenommen.
Beide Diagnosen beschreiben mögliche Folgen traumatischer Erfahrungen. Nicht jede traumatische Erfahrung führt zu einer PTBS oder einer komplexen PTBS. Ob eine Traumafolgestörung vorliegt, lässt sich nur im Rahmen einer sorgfältigen diagnostischen Abklärung beurteilen.
Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?
Eine PTBS kann nach einem oder mehreren außergewöhnlich belastenden oder bedrohlichen Ereignissen entstehen.
Dazu gehören beispielsweise schwere Unfälle, Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Krieg, lebensbedrohliche Erkrankungen oder andere traumatische Ereignisse.
Nicht jeder Mensch entwickelt nach einer traumatischen Erfahrung eine PTBS. Wie belastende Ereignisse verarbeitet werden, ist individuell unterschiedlich.
Woran kann sich eine PTBS zeigen?
Typisch sind drei Merkmalsbereiche:
- wiederkehrendes Wiedererleben belastender Erinnerungen (Intrusionen),
- anhaltende innere Alarmbereitschaft und erhöhte Stressreaktionen (Hypervigilanz),
- Vermeidung von Situationen, Gedanken oder Gefühlen, die an das traumatische Ereignis erinnern.
Diese Beschwerden können viele unterschiedliche Ursachen haben und erlauben für sich genommen keine Aussage darüber, ob tatsächlich eine PTBS vorliegt.
Was ist eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)?
Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung umfasst die Merkmale einer PTBS und beschreibt zusätzlich Schwierigkeiten, die sich nach langandauernden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen entwickeln können.
Sie entsteht häufig nach Situationen, denen Menschen über längere Zeit nicht oder nur schwer entkommen konnten. Dazu gehören beispielsweise emotionale, körperliche oder sexualisierte Gewalt, emotionale Vernachlässigung, Gefangenschaft, Krieg oder andere langanhaltende traumatische Belastungen.
Auch Entwicklungs– und Bindungstraumata sowie die Folgen emotionaler Gewalt können mit einer komplexen PTBS in Zusammenhang stehen.
Woran kann sich eine komplexe PTBS zeigen?
Zusätzlich zu den Merkmalen einer PTBS berichten manche Menschen unter anderem über
- Schwierigkeiten in der Emotionsregulation,
- ein dauerhaft belastetes Selbstbild,
- ausgeprägte Scham- und Schuldgefühle,
- anhaltende Selbstzweifel,
- Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen,
- Probleme beim Aufbau oder Erhalt stabiler Beziehungen oder
- das Gefühl, sich selbst dauerhaft als wenig wertvoll zu erleben.
Diese Beschwerden können viele unterschiedliche Ursachen haben und erlauben für sich genommen keine Aussage darüber, ob tatsächlich eine komplexe PTBS vorliegt.
Worin unterscheiden sich PTBS und kPTBS?
Beide Diagnosen gehören zu den Traumafolgestörungen und weisen viele Gemeinsamkeiten auf.
Die PTBS beschreibt vor allem die Folgen traumatischer Ereignisse mit Wiedererleben, Vermeidung und anhaltender Alarmbereitschaft.
Die komplexe PTBS umfasst diese Merkmale ebenfalls. Zusätzlich stehen Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, ein belastetes Selbstbild und anhaltende Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund.
Nicht jede PTBS entwickelt sich zu einer komplexen PTBS. Ebenso führt nicht jedes Entwicklungs- oder Bindungstrauma zwangsläufig zu einer komplexen PTBS.
| Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) | Komplexe PTBS (kPTBS) |
|---|---|
| Diagnose der ICD-10 und ICD-11 | Diagnose der ICD-11 |
| Kann nach einem oder mehreren traumatischen Ereignissen entstehen | Entsteht meist nach langandauernden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen |
| Wiedererleben, Vermeidung und anhaltende Alarmbereitschaft stehen im Vordergrund | Zusätzlich Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, im Selbstbild und in Beziehungen |
Welche psychischen Bereiche können durch Traumafolgestörungen beeinflusst werden?
Traumafolgestörungen können – müssen aber nicht – verschiedene Bereiche des psychischen Erlebens beeinflussen.
Dazu gehören beispielsweise
- die Emotionsregulation,
- der Umgang mit Stress und Belastungen,
- das Erleben von emotionaler Sicherheit,
- das Selbstbild,
- die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls,
- das Vertrauen in andere Menschen,
- die Gestaltung von Beziehungen sowie
- der Umgang mit Scham, Selbstzweifeln und Selbstkritik.
Welche Auswirkungen sich entwickeln, ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von Art, Dauer und Zeitpunkt der traumatischen Erfahrungen sowie von vorhandenen Schutzfaktoren ab.
Häufige Fragen zu PTBS:
Eine PTBS ist eine mögliche Folge außergewöhnlich belastender oder bedrohlicher Ereignisse. Typische Symptome sind ungewollte Erinnerungen, Albträume, starke innere Anspannung sowie das Vermeiden von Situationen, die an das Ereignis erinnern.
Ja. Manche Menschen entwickeln Beschwerden unmittelbar nach dem Ereignis, bei anderen treten sie erst Monate oder Jahre später auf. Häufig werden Symptome zunächst durch hohe Belastung oder funktionierende Bewältigungsstrategien überdeckt.
Nein. Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens belastende oder traumatische Ereignisse, ohne eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln.
Ob sich eine Traumafolgestörung entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht allein anhand des belastenden Ereignisses vorhersagen.
Nein. Nicht jede Erinnerung ist vollständig verfügbar. Traumatherapie arbeitet mit den Erinnerungen und Empfindungen, die zugänglich sind. Ziel ist nicht, jede Einzelheit wiederzufinden, sondern belastende Folgen zu verarbeiten.
Viele Menschen erleben im Verlauf einer geeigneten traumatherapeutischen Behandlung eine deutliche Verringerung ihrer Beschwerden. In einigen Fällen können die Symptome vollständig zurückgehen, sodass die diagnostischen Kriterien einer PTBS oder komplexen PTBS nicht mehr erfüllt werden.
Wie sich die Beschwerden im Einzelfall entwickeln, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Art und Dauer der traumatischen Erfahrungen, individuellen Ressourcen sowie der Behandlung. Eine pauschale Aussage über den Verlauf oder das Therapieergebnis ist daher nicht möglich.
Häufige Fragen zu kPTBS:
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann nach einem oder mehreren traumatischen Ereignissen entstehen. Typisch sind wiederkehrendes Wiedererleben der belastenden Erfahrung, Vermeidungsverhalten und eine anhaltend erhöhte innere Alarmbereitschaft.
Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) umfasst diese Merkmale ebenfalls. Zusätzlich stehen anhaltende Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, ein belastetes Selbstbild sowie Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund.
Nein.
Ein Entwicklungstrauma beschreibt belastende Erfahrungen während wichtiger Entwicklungsphasen in der Kindheit.
Die komplexe PTBS ist dagegen eine Diagnose der ICD-11. Entwicklungstraumata können mit einer komplexen PTBS zusammenhängen, führen jedoch nicht zwangsläufig dazu.
Ja. Wiederholte emotionale Gewalt oder emotionaler Missbrauch können – insbesondere wenn sie über längere Zeit stattfinden und keine Möglichkeit besteht, sich der Situation zu entziehen – zu den Erfahrungen gehören, die mit der Entstehung einer komplexen PTBS in Zusammenhang stehen können.
Ob tatsächlich eine komplexe PTBS vorliegt, lässt sich jedoch nur im Rahmen einer diagnostischen Abklärung beurteilen.
Ja. Nicht nur körperliche oder sexuelle Gewalt, sondern auch anhaltende emotionale Vernachlässigung oder emotionale Gewalt können langfristige Traumafolgen hinterlassen.
Ja.
Für die Behandlung von PTBS und komplexer PTBS stehen heute wissenschaftlich fundierte traumatherapeutische Verfahren zur Verfügung. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt unter anderem von den Beschwerden, den bisherigen Erfahrungen und den individuellen Zielen ab.
Ein dauerhaft negatives Selbstbild gehört häufig zu den Folgen früher Bindungs- und Entwicklungstraumata. Es entsteht nicht, weil mit Ihnen etwas nicht stimmt, sondern weil sich das Selbstbild unter belastenden Bedingungen entwickelt hat.
Wann ist eine traumatherapeutische Abklärung sinnvoll?
PTBS
Nach belastenden Ereignissen benötigen viele Menschen zunächst Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Nicht jede starke Belastungsreaktion entwickelt sich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Wenn Erinnerungen sich immer wieder aufdrängen, bestimmte Situationen dauerhaft vermieden werden oder das Gefühl ständiger Anspannung den Alltag über längere Zeit beeinträchtigt, kann eine traumatherapeutische Diagnostik sinnvoll sein. Gemeinsam lässt sich klären, welche Unterstützung in Ihrer individuellen Situation hilfreich sein könnte.
Wenn die Folgen weit über das eigentliche Trauma hinausreichen
kPTBS
Bei einer komplexen PTBS stehen häufig nicht einzelne Erinnerungen im Vordergrund, sondern ein dauerhaft belastetes Selbstbild, Schwierigkeiten in Beziehungen oder Probleme der Emotionsregulation.
Wenn Sie den Eindruck haben, seit vielen Jahren gegen dieselben inneren Muster anzukämpfen, kann eine traumatherapeutische Einordnung helfen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Ziel ist es, langfristig mehr innere Sicherheit und Handlungsspielraum zu entwickeln.
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