Begriffe verstehen

Manche Menschen erleben in ihrer Kindheit oder Jugend Bedingungen, die ihre Entwicklung und ihr Erleben von Sicherheit, Beziehung und Selbstwert nachhaltig beeinflussen können. Die Folgen dieser frühen belastenden Erfahrungen  hängen von der Art, der Dauer und dem kindlichen Entwicklungsstand ab.
Für diese unterschiedlichen Zusammenhänge werden verschiedene Begriffe verwendet.
Während Entwicklungstrauma und Bindungstrauma vor allem beschreibende Fachbegriffe sind, bezeichnen PTBS bzw. kPTBS diagnostische Kategorien der ICD-11.
Die Begriffe Entwicklungstrauma und Bindungstrauma beschreiben unterschiedliche Perspektiven auf frühe belastende Erfahrungen. Sie sind keine offiziellen Diagnosen oder Selbstdiagnosen, sondern helfen dabei, mögliche Zusammenhänge zwischen früheren Erfahrungen und heutigen Belastungen zu beschreiben und besser zu verstehen.

Entwicklungstrauma

Entwicklungstrauma beschreibt belastende Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die die emotionale, soziale und persönliche Entwicklung beeinflussen können. Der Begriff wird häufig verwendet, wenn es um die Bedingungen geht, unter denen ein Kind aufgewachsen ist- wenn es über längere Zeit nicht ausreichend Sicherheit, Schutz oder emotionale Unterstützung erleben konnte. Die Auswirkungen können sich noch im Erwachsenenalter zeigen – zum Beispiel im Umgang mit sich selbst, mit Gefühlen oder mit Beziehungen.

Bindungstrauma

Als Bindungstrauma werden belastende Erfahrungen innerhalb wichtiger Beziehungen bezeichnet, insbesondere zu frühen Bezugspersonen. Es kann entstehen, wenn Menschen, die eigentlich Sicherheit und Schutz vermitteln sollten, nicht anwesend oder emotional nicht verfügbar waren, aber auch, wenn nahe Beziehungspersonen gleichzeitig mit Angst, Unsicherheit oder emotionaler Verletzung verbunden waren. Solche Erfahrungen können später beeinflussen, wie Nähe, Vertrauen und Beziehungen erlebt werden.

komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)

Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS bzw. englisch cPTBS) ist ein diagnostischer Begriff aus der ICD-11.

Sie beschreibt ein Muster von Beschwerden nach anhaltenden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen, denen die Betroffenen sich nicht entziehen konnten. Diese können, müssen aber nicht ausschliesslich in der Kindheit stattgefunden haben.

Nicht jedes Entwicklungstrauma oder Bindungstrauma führt zu einer komplexen PTBS.
Umgekehrt kann sich eine komplexe PTBS auch nach anderen langanhaltenden traumatischen Erfahrungen entwickeln.

Mögliche Auswirkungen früher belastender Erfahrungen

  • Schwierigkeiten mit Selbstwert und Selbstbild
  • Scham
  • Schuldgefühle
  • anhaltende Selbstzweifel
  • Perfektionismus
  • Belastende Beziehungsmuster
  • innere Anspannung und Überforderung
  • Ängste

 

Hinter den genannten Begriffen stehen individuelle Lebensgeschichten und unterschiedliche Erfahrungen. In der therapeutischen Arbeit geht es daher nicht nur um korrekte Diagnosen, sondern auch darum, die Symptomatik vor dem Hintergrund der persönlichen Situation zu verstehen.

traumaspezifische Behandlungsschwerpunkte in der Praxis sind:

  • Geburtstrauma
  • Entwicklungstrauma
  • Bindungstrauma
  • Folgen von emotionaler /physischer/sexualisierter und struktureller Gewalt
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS/cPTBS)
  • partielle Dissoziative Identitätsstörung (partielle DIS)
  • Belastende Lebensereignisse ohne A-Kriterium (ohne traumatisierendes Ereignis)
  • Posttraumatisches Wachstum